Die taz schreibt: ab jetzt dürfen Gewerkschaften auch Flashmobs als Streikmittel einsetzen. Flashmobs sind scheinbar spontane Menschenaufläufe auf öffentlichen Plätzen, bei denen die Teilnehmer für einen kurzen Zeitraum genau dieselben – meist unsinnigen – Dinge tun, bevor sich die Menschenansammlung ziemlich schnell wieder auflöst; organisiert werden sie meist über das Internet. In Deutschland bekannt sind vor allem die Stürmung einer McDonalds-Filiale in München oder die Kissenschlacht vor dem Kölner Dom. Ursprünglich war die Idee zwar unpolitisch – inzwischen gibt es aber auch viele Flashmobs mit politischem Hintergrund [so z.B. der Grundgesetz-Flashmob im Mai diesen Jahres (ich war sogar dabei, in Hamburg - und bin mit dem Liebsten in irgendeinem der unzähligen davon gemachten Videos zu sehen ;) ) oder der "Und alle so: yeahh - Flashmob" (hier schonmal erwähnt)].
Ich finde die Idee persönlich lustig – Streiks müssen schließlich nicht immer mit Plakate tragen, durch Straßen laufen und Parolen brüllen rufen zu tun haben, ein bisschen „Abwechslung“ kann bestimmt nicht schaden [ja, es geht um ernste Dinge - aber müssen Streikaktionen deswegen zwangsweise humorlos sein? - ich plädiere für nein]. Vielleicht auch eine Idee für den immer noch laufenden Bildungsstreik?
Laut Bericht der tagesschau sind inzwischen 60% der Bevölkerung mit der schwarz-gelben Regierung unzufrieden – gut, einige der Spitzenpolitiker genießen noch ausreichend Zustimmung, aber es gäbe keine Mehrheit mehr für die Regierung, wenn jetzt gewählt würde. Hauptkritikpunkte sind die Afghanistan-Politik und der zu stark vernachlässigte Klimaschutz – aber nur daran wird es auch nicht liegen.
Offenbar hält die schwarz-gelbe Koalition also den Erwartungen nicht stand, ihre Versprechen nicht ein und allmählich ist das auch bei den meisten Menschen angekommen. Aber irgendwie… war das doch von vornhinein klar.
Und warum hätte man auf diesen Gedanken nicht zwei Monate früher kommen können, so dass das Wahlergebnis erfreulicher ausgefallen wäre und wir jetzt vielleicht eine brauchbare Regierung hätten?
Vor allem seit den Vorkommnissen auf der „Freiheit statt Angst“-Demonstration in Berlin vor ca. zwei Monaten war die Kennzeichnung von Polizeibeamten zur Verhinderung von Polizeigewalt Gesprächsthema – laut taz-Artikel von heute tut sich dahingehend inzwischen sogar mehr.
Bislang waren die Forderung von den Innenministern der Länder stets abgelehnt worden; in Berlin werden nun aber ab nächstem Jahr alle Polizeibeamten mit einer individuellen Nummer gekennzeichnet, um im Falle ungerechtfertigter Gewalt gegen Demonstranten etc. besser ermitteln zu können. Auch Brandenburg, Bremen und Sachsen-Anhalt sind gegenüber der Idee aufgeschlossen – ansonsten stehen die Länder dem Vorschlag jedoch nachwievor ablehnend gegenüber, teilweise mit etwas obskuren Begründungen. In Mecklenburg-Vorpommern z.B. geht man davon aus, dass „Polizeibeamte nach Recht und Gesetz handeln“, was zwar in den meisten Fällen stimmt – aber nunmal nicht in allen.
Dass Namensschilder abgelehnt werden, ist verständlich – aber eine generelle Identifizierungsmöglichkeit sollte meiner Meinung nach doch bestehen. In Krankenhäusern ist das Personal schließlich auch verpflichtet, durch Namensschilder identifizierbar zu sein, falls ein Patient Beschwerde gegen unangemessenes Verhalten oder ähnliches einreichen möchte – in der Psychiatrie ist das manchmal etwas unschön, wenn Patienten mit Psychosen deinen Namen wissen und dich in ihre Wahnvorstellungen einbauen können; aber der Grund für die Schildchen ist definitiv gerechtfertigt. [Laut meinen damaligen FSJ-Kollegen ist es auch sehr selten, dass dadurch Unannehmlichkeiten für das Personal entstehen. Man sollte halt lieber nicht im Telefonbuch stehen, aber das bringt der Beruf mit sich.]
Berlin ist ein erster Schritt – ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Und hoffentlich gibt es irgendwann eine bundesweite Regelung, durch die Übergriffe durch Polizisten verhindert werden oder zumindest rückwirkend zur Anzeige gebracht werden können.
Eigentlich klingt das alles ja gar nicht so übel, wenn man von noch mehr Staatsschulden, Atomkraftwerken etc. einmal absieht.
Aber wenn ich dann sowas sehe, kommt mir doch wieder das Gruseln…
Loose change ist ein Amteur-Dokumentarfilm über die Anschläge des 11. September 2001 und die Ungeheimtreiten der offiziellen Version der Hintergründe und Vorgänge. Die These des Films besagt, dass 9/11 ein von Kreisen der US-Regierung geplanter „Inside Job“ war, der von ebendieser durchgeführt oder zumindest gebilligt wurde, um einen Rechtfertigungsgrund für den „war on terror“ zu liefern.
Nicht alles, was im Film behauptet wird, muss den Tatsachen entsprechen, das ist klar – aber es gibt einige Dinge, die an der offiziellen Erklärung auffällig sind. [Wieso stürzt ein Turm aus massivem Stahl und Beton, der dazu konzipiert wurde, auch den Einschlag durch ein Flugzeug zu überstehen, aufgrund eines einzigen Flugzeugeinschlages ein - und das in so kurzer Zeit? Wenn wirklich ein Flugzeug ins Pentagon gesteuert wurde - wo ist dann das Flugzeug? Wieso widerrufen sämtliche Wissenschaftler und sonstigen Experten ihre zunächst kritischen Aussagen bezüglich der offiziellen Meldungen nach kurzer Zeit? Was ist mit den Augenzeugenberichten, nach denen vor der Kollision des Flugzeugs Explosionen zu hören waren? Und warum ist ausgerechnet an diesem Tag ein Großteil der NORAD damit beschäftigt, eine Übung für den Fall, dass Flugzeuge entführt und als Angriffswaffe genutzt werden durchzuführen, weswegen keine Luftabwehr stattfindet?]
Ich persönlich finde den Film sehr interessant; vor allem da er eine andere Sichtweise auf die Ereignisse ermöglicht, die nicht der Darstellung der Massenmedien entspricht (die nunmal doch nicht so unabhängig und neutral berichten, wie sie vorgeben). Mit der sinkenden Glaubwürdigkeit der US-Regierung unter Bush jr. haben die Zweifel an der offiziellen Untersuchung/Darstellung außerdem konstant zugenommen – im Irak waren nun schließlich auch entgegen der kriegsauslösenden Behauptungen keine Massenvernichtungswaffen vorhanden…
Den Film gibt es u.A. bei youtube und Google Video, hier den offiziellen Trailer zu Loose Change Final Cut. (Ich kenne bisher nur die 2nd Edition des Films komplett – vom Final Cut habe ich nur einen Teil gesehen, als letztgültige Version sollte sie jedoch besser umgesetzt und strukturiert sein.)
[Noch eine kurze Info hinterher: Seitdem ich dieses Buch (Tim Weiner - CIA. Die ganze Geschichte.) gelesen habe, traue ich der CIA so ziemlich alles zu. Und Kriege samt dafür nötigem Feindbild waren immer schon eine vielgenutzte Strategie, um von innenpolitischen Problemen abzulenken oder Einheit in der Bevölkerung zu schaffen.]
Ich muss zugeben: eigentlich bin ich ein „nach mir die Sintflut“-Mensch. Aber ein weltweiter [!] Klima-Aktionstag klingt dann doch ziemlich sinnig – und ganz so viel Kohlenstoffdioxid (und -monoxid etc.) müssen wir dann ja doch nicht in die Luft jagen, ganz abgesehen davon, dass die nächsten Generationen wohl auch noch gerne eine bewohnbare Welt hätten [okey, ob die Arktis schmilzt, seh' ich von hier nicht - aber zumindest die Jahreszeiten und das allgemein Wetter haben sich in den letzten Jahren ziemlich drastisch geändert]. Hier gibt es Informationen dazu, in ziemlich vielen Städten sind Aktionen geplant [hauptsächlich in den größeren, soweit ich das gesehen habe] – vielleicht mag ja jemand hingehen und mitmachen? Aktionstag ist der 24. Oktober, also Samstag in einer Woche.
In Kiel sind u.A. ein Luftbild-Flashmob und Infostände geplant – und was gibt’s bei euch in der Nähe? :)
Vielleicht besteht doch noch ein wenig Hoffnung:
Die FDP fordert wieder stärkere Bürgerrechte und stellt sich somit gegen die gruseligen Phantasien eines paranoiden Mannes Pläne der CDU bezüglich Online-Durchsuchungen, Anti-Terror-Gesetzen, Bundeswehr-Einsätzen im Inland und dem ganzen Überwachungswahn – das ist doch endlich einmal eine gute Nachricht. Flexibler Renteneintritt und „Bürgergeld“ klingen prinzipiell auch nicht schlecht, vorausgesetzt die Umsetzung erweist sich als brauchbar.
Aber die Überlegung, Laufzeiten für Atomkraftwerke vollständig aufzuheben, gefällt mir gar nicht. So viel zur vielgepriesenen „Brückentechnologie“… Und außerdem: Steuersenkungen? Bitte? Natürlich klingt das wunderbar, die Staatsverschuldung wird dadurch aber definitiv nicht weniger – und hoch genug zu hoch ist sie definitiv jetzt schon. ([Ironie on] Wir erinnern uns: „Aufschwung und mehr Einnahmen für den Staat durch Steuersenkungen“ – Rechenfehler inklusive. [/Ironie off])
Das Wahlergebnis gefällt mir nicht.
Jetzt bekommen wir also bundesweit Studiengebühren, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft (Lohnsteuersenkung hilft denen nicht, die eh nichts haben – und die geplante Mehrwertsteuer-Erhöhung macht es nur noch schlimmer), einen Westerwelle als Außenminister (*schauder*), verlängerte Laufzeiten der Atomkraftwerke, Zensur, Bundeswehreinsätze im Inland, nutzlose Internetsperren samt Three-Strikes-Modell (schön, dass sie als Vorbild Frankreich angeben – dort wurde das Gesetz für verfassungswidrig erklärt) und wie man durch mehr staatliche Ausgaben die Finanzlöcher stopfen will, ist mir auch ein Rätsel – so viel Wachstum, wie dafür nötig wäre, ist in Deutschland gar nicht mehr möglich. Ach ja, den Überwachungsstaat hätte ich fast vergessen.
Ich bin immer noch fasziniert davon, wie viel heute los war – bei der Europawahl waren wir fast allein dort. Die meisten Menschen sahen zwar nach CDU-Wählern aus, was nicht schön ist, aber besser als gar nicht hinzugehen (oder NPD zu wählen – doch ich vermute mal, so viel gesunden Menschenverstand hat der Großteil dann doch, wir sind ja nicht im Osten).