Meine Lieblingsbücher der letzten Zeit. [bei fremdsprachigen Titeln gilt wie immer: ich weiß nicht, ob die Übersetzung gut ist, also lieber das Original lesen, sofern möglich ;) ]
Marcus Zusak – The book thief
Liesel, die mit neun Jahren am Grab ihres Bruders das erste Mal dem Tod begegnet – und ihr erstes Buch stielt, das „Handbuch für Totengräber“, mit dem sie später lesen lernen wird.
Die Geschichte ihres Lebens wird aus der Sicht des Todes erzählt (der zumindest bei Marcus Zusak wunderbar schreiben kann), aus der Sicht des Todes, der in diesem Fall ein Herz für die Menschen hat („Ihr wollt wissen, wovon ich mich ablenken muss? [...] Es sind die Überlebenden.“), besonders für Menschen wie Liesel, die Bücher lieben. Liesel wächst zur Zeit des Hitler-Regimes auf, in einer Welt, die Bücher verbrennt und Menschen für ihre Religionszugehörigkeit verfolgt, was sie beides nicht verstehen kann – genauso wenig wie die Tatsache, warum sie nicht bei ihrer Mutter bleiben kann, sondern in eine Pflegefamilie gegeben wird.
„The book thief“ ist wundervoll geschrieben; ein Roman über den Schutz, den einem Bücher geben können, wenn die Welt in Trümmern liegt, über Liesels Leben und die Magie der Worte.
Berührend, zauberhaft, lesenswert.
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Khaled Hosseini – The kite runner
Eine Freundschaft zwischen zwei Jungen ungleicher Herkunft, Amir und Hassan; eingewoben in die Geschichte Afghanistans, das einst ganz anders war als heute.
Die Geschichte wird rückblickend von Amir erzählt, der inzwischen seit über 20 Jahren in Amerika lebt und nun beginnt, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, die ihn immer noch schmerzvoll verfolgt.
Während Amir und sein Vater reich und angesehen sind, gehören Hassan und dessen Vater Ali den Hazara an, einer Minderheit in Afghanistan, die zu dieser Zeit die Dienerschicht darstellt. Trotz ihrer unterschiedlichen Position in der Gesellschaft sind die beiden Jungen Freunde, die zusammen ihre Kindheit verbringen, im Kino die ersten amerikanischen Filme sehen und Drachenturniere bestreiten – bis die Freundschaft an Furcht und Eifersucht zerbricht. In der Jetzt-Zeit des Romans bekommt Amir schließlich eine Chance, das damals Geschehene wieder gut zu machen („There is a way to be good again.“), wofür er zurück ins inzwischen Taliban-beherrschte Afghanistan reisen muss…
Ich fand das Buch vor allem deswegen sehr interessant, weil ich außer den in den Nachrichten kursierenden Meldungen quasi nichts über Afghanistan und seine Geschichte wusste, nichts über den Krieg, die Diskriminierung und den Mord an den Hazara, nichts über den Wandel dieses Landes, durch den es jetzt in der Hand militanter Gruppierungen ist – abgesehen davon ist aber auch die Geschichte der beiden Jungen sehr berührend.
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Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels (L’élégance du hérisson)
Die Geschichte von Renée, einer überaus gebildeten Concierge, die ihr Bücherzimmer vor der Welt versteckt und vortäuscht, dem Proletariat anzugehören und Paloma, der zwölfjährigen, ziemlich altklugen Tochter reicher Eltern, die an ihrem dreizehnten Geburtstag Suizid begehen möchte, um kein vorbestimmtes Leben „im Goldfischglas“ führen zu müssen, das sich ihrer Meinung nach nicht lohnt. Während Paloma Renées Täuschung längst durchschaut hat, glauben die anderen Hausbewohner an das Bild der ungebildeten, klischeehaften Concierge – bis eines Tages Monsieur Ozu einzieht und die Welt von René und Paloma verändert.
Allein schon für den genialen Klappentext lohnt sich das Buch – die beiden Hauptfiguren erzählen von ihrem Leben in Paris, japanischen Mangas, Weltliteratur, den Nachbarn, Philosophie, Kunst, Musik, Gott und der Welt. Sehr toll!
Das Original soll laut Kritiken wesentlich besser sein als die deutsche Übersetzung, dazu kann ich bisher allerdings nichts sagen, da ich das französische Buch (leider noch) nicht gelesen habe – ich mochte aber auch die deutsche Variante sehr gerne. Es ist eine wunderbare Gesellschaftssatire voll Ironie und schwarzem Humor – den man allerdings mögen muss.
Hierzu gibt es auch eine wunderbare Verfilmung (Le hérisson), bisher allerdings nur auf französisch, soweit ich weiß (ich habe den Film auf dem Rückflug von Canada gesehen, sonst wüsste ich vermutlich nichts davon) – ein wenig haben mir die Gedankeneinblendungen Palomas gefehlt, die im Film nicht so gut rüberkommen wie im Buch, aber generell fand ich die Geschichte sehr gut umgesetzt und ebenso wunderbar wie das Buch.
Wer französisch kann: unbedingt ansehen! Aber erst nach dem Lesen. ;)