Vorlesungsbeginn.

Sonntag, 25. Oktober 2009 - 22:19

Ab morgen beginnt für mich die Vorlesungszeit wieder, nach drei Monaten Semesterferien. Das Semester wird ungewohnt – nur einmal in der Woche früh aufstehen [morgen, 4:30 Uhr], dafür abends erst spät nach Hause kommen; irgendwie muss dann Sport noch in die Woche passen, aber das wird. Die ersten Tage werden vermutlich noch etwas chaotisch, bis sämtlicher organisatorischer Kram erledigt ist [erfahrungsgemäß sind die angedachten Seminarräume in Philosophie grundsätzlich zu klein, weswegen sich die Räume sowieso nochmal ändern...], bald neue Philo-Bücher bestellen [hoffentlich in zweisprachig, Sartre und Rousseau auf französisch lesen wäre toll! - auch wenn ich für die Prüfungen dann doch bei der deutschen Übersetzung bleibe ;) ] – und dann ab jetzt endlich das studieren, was ich studieren will und keine toten Wikingersprachen mehr lernen [auch wenn Altisländisch lustig war].

Ich freu’ mich!


E-Book Reader.

Freitag, 23. Oktober 2009 - 12:07

Ich glaube, ziemlich genau vor einem Jahr habe ich das erste Mal davon gehört, als in der Vorweihnachtszeit bei Thalia plötzlich Werbung für den Sony Reader gemacht wurde. Inzwischen gibt es nicht nur diesen, sondern auch den Amazon Kindle sowie einige hier weniger bekannte Reader, wie z.B. iLiad oder Cybook Gen3.

Die Gemeinsamkeit all dieser Reader besteht darin, dass versucht wird, der Vorlage des herkömmlichen Buches möglichst treu zu bleiben – der [meiner Meinung nach] einzige Vorteil ist somit, dass man mehrere Bücher im Format eines Buches gebündelt hat, was definitiv platzsparend ist [aber nicht mehr]. Nachteile fallen mir hingegen einige mehr ein: So z.B. das umständliche Blättern per Pfeiltasten [ich hab's ausprobiert - macht keinen Spaß], das Warten bis die neue Seite geladen ist; die fehlende Möglichkeit, willkürlich irgendeine Seite aufzuschlagen – und natürlich fehlen die Optik und das Gefühl, die ein „normales“ Buch ausmachen. [Ein weiterer Nachteil ist natürlich auch, dass die meisten E-Books dem Digital Rights Management unterliegen, weswegen man quasi nur eine Leselizenz erwirbt - man kann sein Buch also weder verleihen (außer mit dem E-Book Reader) noch auf einem anderen Gerät, z.B. seinem Laptop, lesen, da man die Rechte dafür nicht bekommt.]
Alles in allem finde ich: E-Book Reader sind einfach kein Ersatz für ein „richtiges“ Buch.

Andererseits bietet die Idee digitaler Bücher interessante Möglichkeiten – sie müssten nur umgesetzt werden. Wie Patrick Pricken in seinem Artikel Drei Hürden für Verlage schreibt [gefunden via pygospa]:

„Das Potential liegt aber in der Vernetzung. Ich will Bücher markieren und annotieren können und diese Markierungen und Notizen austauschen. Wenn ich einen Begriff in einem Buch lese, kann ich ihn in einem anderen nachschlagen. Ich kann Querverweise ziehen. Wenn ich in einem Krimi lese, wo ein Mord geschieht, kann ich Google Streetview öffnen und mir den Ort anzeigen. Wenn die Heldin einer Geschichte Musik hört, kann ich dasselbe Lied auf meinem Gerät abspielen. Wenn ein Ereignis geschildert wird, kriege ich das youtube-Video und den Artikel in der FAZ zu diesem Ereignis mitgeliefert. Und so weiter.“
(Quelle: freiewelt.net)

Offenbar erkennen auch die Verlage allmählich die ungenutzten Möglichkeiten von E-Book-Readern – so wurde von der US-Buchhandelskette Barnes & Noble neulich der Reader „Nook“ vorgestellt, der statt der üblichen Pfeiltasten eine dem IPhone ähnliche Bedienoberfläche aufweist und als erstes E-Book-Lesegerät eine Ausleih-Funktion für Bücher besitzt. Das ist immerhin ein Anfang.

Und vielleicht tut sich ja bald noch mehr auf dem Markt der E-Book-Reader – auch wenn ich persönlich weiterhin Bücher kaufen werde, weil sie einfach schöner sind als irgendein technisches Gerät.
Denn: es wird  niemals den Zauber perfekt glatter, weißer Seiten, denen noch der Geruch von Druckerschwärze anhaftet, bieten können; die Schönheit eines ansprechend gestalteten Covers, vielleicht mit geprägtem Titel, dessen Erhebungen man unter den Fingerspitzen fühlen kann; das Gefühl, wenn man die erste Seite aufschlägt und sich neue Welten vor einem auftun; und nicht zuletzt: der Anblick eines Regals voller Bücher, Worte auf Buchrücken, die von anderen Leben flüstern.
Und was denkt ihr?


Jekyll (Serie).

Donnerstag, 22. Oktober 2009 - 13:10

Jekyll ist eine Miniserie, die an Stevenson’s The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde anknüpft – laut ihren Schöpfern soll sie somit nicht als Adaption, sondern als Fortsetzung des Buches gesehen werden.
Hauptperson ist Dr. Tom Jackman, der sich regelmäßig in Mr. Hyde, die Verkörperung seiner schlechten bzw. animalischen Seite, verwandelt. Zu Beginn besteht eine Abmachung zwischen den beiden (Hyde weiß nichts von Jackmans Familie, im Falle eines Mordes durch Hyde würde sich Jackman der Polizei stellen und sie hinterlassen sich gegenseitig Nachrichten per Diktafon), wodurch eine weitgehend friedliche Koexistenz möglich ist – bis Jackman herausfindet, dass Hyde von einer geheimen Organisation gejagt wird.

Leider gibt es nur sechs Folgen (weswegen ich auch gar nicht viel schreiben will, um nicht zu viel zu verraten), die Geschichte ist jedoch in sich abgeschlossen. Zu Beginn ist die Serie etwas verwirrend, spätestens in der letzten Folge werden jedoch alle offenen Fragen geklärt – und zeitweise fand ich die ständige Spannung ziemlich anstrengend (und Hyde gruselig, weil unberechenbar), aber es hat sich definitiv gelohnt, die Serie ist wirklich gut. Sehr toll fand ich vor allem, dass Hyde nicht der typische „Böse“ ist, für den man ihn anfangs hält, sondern im Laufe der Geschichte eine eigene, facettenreiche Persönlichkeit entwickelt. Definitiv sehenswert! [Allerdings ein bisschen gruselig. Meiner Meinung nach zumindest, aber ich bin auch schreckhaft. ;) ]

Und jetzt muss ich ganz dringend Stevenson’s Dr. Jekyll lesen, damit ich die Vorgeschichte in Form des Buches auch kenne.

[Noch ein Hinweis bezüglich des Wikipedia-Artikels: wenn man sich die Serie irgendwann ansehen möchte, sollte man die Episodenliste nicht lesen, da dort zu viel verraten wird, was einem die Spannung und die Überraschungseffekte zerstört.]


Sam Savage – Firmin.

Donnerstag, 22. Oktober 2009 - 11:57

firminKlappentext:
„Firmin wächst im Keller einer Bostoner Buchhandlung auf und liest sich Buch für Buch durch die Weltliteratur. Er entdeckt, wie spannend das Leben der Menschen ist und macht sich auf, ihre Freundschaft zu suchen. Sam Savage erzählt in diesem gefeierten Kultbuch die traurig-charmante Geschichte eines verkannten Außenseiters.“
Firmin ist ein Buch, das für Leser geschrieben wurde, für Leute, die leidenschaftlich gern lesen und denen Bücher genauso real erscheinen wie die Wirklichkeit. Vielleicht realer.“ (Donna Leon)

Das Buch musste ich neulich in Hamburg unbedingt mitnehmen – erstens wegen des Klappentextes und zweitens wegen des Buchumschlags, der so schön passend zum Inhalt angeknabbert aussieht. [Deswegen diesmal auch auch kein Cover aus dem Internet - da ist das irgendwie nicht so - sondern ein Photo von meiner Ausgabe. Und deswegen mit Tisch.] Das Buch ist keins, das man unbedingt gelesen haben müsste, aber es ist schön [wenn auch ein wenig melancholisch] – und egal, ob man Ratten mag oder nicht, Firmin muss man einfach gern haben, allein schon dafür, dass er Literatur liebt. Firmin erzählt rückblickend seine Lebensgeschichte – vom Aufwachsen mit zwölf Geschwistern und vielen, vielen Büchern im Keller einer Buchhandlung; von seiner Liebe zur Literatur, die einen in andere Welten versetzen kann, seinen ersten Ausflügen in die Welt der Menschen und dem Versuch, so zu werden wie sie.


vorablesen.de

Dienstag, 20. Oktober 2009 - 17:11

Auf vorablesen.de werden jede Woche eine oder zwei Leseproben zu bald erscheinenden Büchern freigeschaltet – wer innerhalb einer Woche (bis zur Freischaltung des nächsten Titels) einen Leseeindruck veröffentlicht, hat die Möglichkeit, ein Rezensionsexemplar des jeweiligen Buches zu gewinnen. Voraussetzung sind lediglich die eben erwähnte Fristeinhaltung sowie die kostenlose Anmeldung auf der Website – und man muss natürlich seine Adresse hinterlegen, wenn man ein Buch geschickt bekommen möchte. ;)
Jede Woche werden 100 Rezensionsexemplare verlost; soweit ich gesehen habe, werden immer ca. 300 Leseeindrücke pro Titel veröffentlicht – die Chancen stehen also gar nicht schlecht.

Ich habe mich letzte Woche angemeldet, ein paar Zeilen zu diesem Buch geschrieben – und heute war eine Email in meinem Postfach, dass ich ein Rezensionsexemplar gewonnen habe, das demnächst per Post kommt. Sehr fein! [Vollständig überzeugt bin ich zwar erst, wenn das Buch wirklich hier ist, aber es klingt doch schonmal gut - und bisher habe ich auch nur Positives über die Website gelesen.]

Und selbst wenn man nicht ausgelost wird: die Leseproben bleiben immer eine Weile online, d.h. man kann wunderbar von zuhause aus in den ersten Seiten schmökern und sich überlegen, ob man den Schreibstil mag und das ein oder andere Buch vielleicht haben möchte, das man sonst nie entdeckt hätte.


Plage Noire: Vorfreude.

Montag, 19. Oktober 2009 - 10:33

Neulich kam der Brief mit den Kontodaten, das Geld ist nun überwiesen – somit haben wir offiziell gebucht und müssen am 13. November nur noch anreisen und einchecken. Das Plage Noire ist ein Indoor-Festival (bei Minustemperaturen natürlich genial); außerdem erfolgt die Übernachtung statt in Zelten im Hotelzimmer oder einem Appartement. Außer Konzerten werden neben dem regulären Freizeitangebot der Ferienanlage auch noch Lesungen (Emilie Autumn, Oswald Henke, Marcus Heitz) und ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten.
Da wir ein Hotelzimmer gebucht haben, ist für uns das Frühstücksbuffet inklusive und wir dürfen kostenlos ins Dünenbad und die Wellnessbereiche, das bedeutet: Festival kombiniert mit Wellnessurlaub. Sehr toll!

Leider ist noch kein Lineup draußen, somit können wir noch nicht austüfteln, wann wir wohin müssen, aber das kommt bestimmt bald. Was wir uns ansehen/-hören wollen? Auf jeden Fall Asp, Blutengel, Mono Inc, fetisch:Mensch – und alle Lesungen, hoffentlich liegt da nichts parallel.
Abgesehen vom „gewohnten“ Konzert-/Lesungsprogramm freue ich mich auch sehr auf Dünenbad (endlich wieder schwimmen gehen!), Sport-Angebot (angeblich kann man sogar Bogenschießen, das wäre sehr cool) – und natürlich die Ostsee! Es wird zwar kalt und windig sein, aber mit Glück haben wir ein Zimmer mit Meerblick und Strandspaziergänge sind auch bei kalten Temperaturen wundervoll… :)
Und, nicht zuletzt: ich muss nicht im Zelt schlafen, kann alle meine Sachen beruhigt im Zimmer lassen und muss somit nur das Nötigste mit mir herumtragen, habe ein eigenes Bad und ein gemütliches Bett  – wunderfein!


Loose Change (Final Cut).

Freitag, 16. Oktober 2009 - 13:55

Loose change ist ein Amteur-Dokumentarfilm über die Anschläge des 11. September 2001 und die Ungeheimtreiten der offiziellen Version der Hintergründe und Vorgänge. Die These des Films besagt, dass 9/11 ein von Kreisen der US-Regierung geplanter „Inside Job“ war, der von ebendieser durchgeführt oder zumindest gebilligt wurde, um einen Rechtfertigungsgrund für den „war on terror“ zu liefern.

Nicht alles, was im Film behauptet wird, muss den Tatsachen entsprechen, das ist klar – aber es gibt einige Dinge, die an der offiziellen Erklärung auffällig sind. [Wieso stürzt ein Turm aus massivem Stahl und Beton, der dazu konzipiert wurde, auch den Einschlag durch ein Flugzeug zu überstehen, aufgrund eines einzigen Flugzeugeinschlages ein - und das in so kurzer Zeit? Wenn wirklich ein Flugzeug ins Pentagon gesteuert wurde - wo ist dann das Flugzeug? Wieso widerrufen sämtliche Wissenschaftler und sonstigen Experten ihre zunächst kritischen Aussagen bezüglich der offiziellen Meldungen nach kurzer Zeit? Was ist mit den Augenzeugenberichten, nach denen vor der Kollision des Flugzeugs Explosionen zu hören waren? Und warum ist ausgerechnet an diesem Tag ein Großteil der NORAD damit beschäftigt, eine Übung für den Fall, dass Flugzeuge entführt und als Angriffswaffe genutzt werden durchzuführen, weswegen keine Luftabwehr stattfindet?]

Ich persönlich finde den Film sehr interessant; vor allem da er eine andere Sichtweise auf die Ereignisse ermöglicht, die nicht der Darstellung der Massenmedien entspricht (die nunmal doch nicht so unabhängig und neutral berichten, wie sie vorgeben). Mit der sinkenden Glaubwürdigkeit der US-Regierung unter Bush jr. haben die Zweifel an der offiziellen Untersuchung/Darstellung außerdem konstant zugenommen – im Irak waren nun schließlich auch entgegen der kriegsauslösenden Behauptungen keine Massenvernichtungswaffen vorhanden…

Den Film gibt es u.A. bei youtube und Google Video, hier den offiziellen Trailer zu Loose Change Final Cut. (Ich kenne bisher nur die 2nd Edition des Films komplett – vom Final Cut habe ich nur einen Teil gesehen, als letztgültige Version sollte sie jedoch besser umgesetzt und strukturiert sein.)

[Noch eine kurze Info hinterher: Seitdem ich dieses Buch (Tim Weiner - CIA. Die ganze Geschichte.) gelesen habe, traue ich der CIA so ziemlich alles zu. Und Kriege samt dafür nötigem Feindbild waren immer schon eine vielgenutzte Strategie, um von innenpolitischen Problemen abzulenken oder Einheit in der Bevölkerung zu schaffen.]


Klima-Aktionstag: 350.org

Freitag, 16. Oktober 2009 - 10:29

Ich muss zugeben: eigentlich bin ich ein „nach mir die Sintflut“-Mensch. Aber ein weltweiter [!] Klima-Aktionstag klingt dann doch ziemlich sinnig – und ganz so viel Kohlenstoffdioxid (und -monoxid etc.) müssen wir dann ja doch nicht in die Luft jagen, ganz abgesehen davon, dass die nächsten Generationen wohl auch noch gerne eine bewohnbare Welt hätten [okey, ob die Arktis schmilzt, seh' ich von hier nicht - aber zumindest die Jahreszeiten und das allgemein Wetter haben sich in den letzten Jahren ziemlich drastisch geändert].
Hier gibt es Informationen dazu, in ziemlich vielen Städten sind Aktionen geplant [hauptsächlich in den größeren, soweit ich das gesehen habe] – vielleicht mag ja jemand hingehen und mitmachen? Aktionstag ist der 24. Oktober, also Samstag in einer Woche.

In Kiel sind u.A. ein Luftbild-Flashmob und Infostände geplant – und was gibt’s bei euch in der Nähe? :)


Worth reading.

Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 11:43

Meine Lieblingsbücher der letzten Zeit. [bei fremdsprachigen Titeln gilt wie immer: ich weiß nicht, ob die Übersetzung gut ist, also lieber das Original lesen, sofern möglich ;) ]

bookthiefMarcus Zusak – The book thief

Liesel, die mit neun Jahren am Grab ihres Bruders das erste Mal dem Tod begegnet – und ihr erstes Buch stielt, das „Handbuch für Totengräber“, mit dem sie später lesen lernen wird.
Die Geschichte ihres Lebens wird aus der Sicht des Todes erzählt (der zumindest bei Marcus Zusak wunderbar schreiben kann), aus der Sicht des Todes, der in diesem Fall ein Herz für die Menschen hat („Ihr wollt wissen, wovon ich mich ablenken muss? [...] Es sind die Überlebenden.“), besonders für Menschen wie Liesel, die Bücher lieben. Liesel wächst zur Zeit des Hitler-Regimes auf, in einer Welt, die Bücher verbrennt und Menschen für ihre Religionszugehörigkeit verfolgt, was sie beides nicht verstehen kann – genauso wenig wie die Tatsache, warum sie nicht bei ihrer Mutter bleiben kann, sondern in eine Pflegefamilie gegeben wird.

„The book thief“ ist wundervoll geschrieben; ein Roman über den Schutz, den einem Bücher geben können, wenn die Welt in Trümmern liegt, über Liesels Leben und die Magie der Worte.
Berührend, zauberhaft, lesenswert.

* * *

kiterunnerKhaled Hosseini – The kite runner

Eine Freundschaft zwischen zwei Jungen ungleicher Herkunft, Amir und Hassan; eingewoben in die Geschichte Afghanistans, das einst ganz anders war als heute.
Die Geschichte wird rückblickend von Amir erzählt, der inzwischen seit über 20 Jahren in Amerika lebt und nun beginnt, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, die ihn immer noch schmerzvoll verfolgt.
Während Amir und sein Vater reich und angesehen sind, gehören Hassan und dessen Vater Ali den Hazara an, einer Minderheit in Afghanistan, die zu dieser Zeit die Dienerschicht darstellt. Trotz ihrer unterschiedlichen Position in der Gesellschaft sind die beiden Jungen Freunde, die zusammen ihre Kindheit verbringen, im Kino die ersten amerikanischen Filme sehen und Drachenturniere bestreiten – bis die Freundschaft an Furcht und Eifersucht zerbricht. In der Jetzt-Zeit des Romans bekommt Amir schließlich eine Chance, das damals Geschehene wieder gut zu machen („There is a way to be good again.“), wofür er zurück ins inzwischen Taliban-beherrschte Afghanistan reisen muss…

Ich fand das Buch vor allem deswegen sehr interessant, weil ich außer den in den Nachrichten kursierenden Meldungen quasi nichts über Afghanistan und seine Geschichte wusste, nichts über den Krieg, die Diskriminierung und den Mord an den Hazara, nichts über den Wandel dieses Landes, durch den es jetzt in der Hand militanter Gruppierungen ist – abgesehen davon ist aber auch die Geschichte der beiden Jungen sehr berührend.

* * *

igelMuriel Barbery – Die Eleganz des Igels (L’élégance du hérisson)

Die Geschichte von Renée, einer überaus gebildeten Concierge, die ihr Bücherzimmer vor der Welt versteckt und vortäuscht, dem Proletariat anzugehören und Paloma, der zwölfjährigen, ziemlich altklugen Tochter reicher Eltern, die an ihrem dreizehnten Geburtstag Suizid begehen möchte, um kein vorbestimmtes Leben „im Goldfischglas“ führen zu müssen, das sich ihrer Meinung nach nicht lohnt. Während Paloma Renées Täuschung längst durchschaut hat, glauben die anderen Hausbewohner an das Bild der ungebildeten, klischeehaften Concierge – bis eines Tages Monsieur Ozu einzieht und die Welt von René und Paloma verändert.

Allein schon für den genialen Klappentext lohnt sich das Buch – die beiden Hauptfiguren erzählen von ihrem Leben in Paris, japanischen Mangas, Weltliteratur, den Nachbarn, Philosophie, Kunst, Musik, Gott und der Welt. Sehr toll!
Das Original soll laut Kritiken wesentlich besser sein als die deutsche Übersetzung, dazu kann ich bisher allerdings nichts sagen, da ich das französische Buch (leider noch) nicht gelesen habe – ich mochte aber auch die deutsche Variante sehr gerne. Es ist eine wunderbare Gesellschaftssatire voll Ironie und schwarzem Humor – den man allerdings mögen muss.

Hierzu gibt es auch eine wunderbare Verfilmung (Le hérisson), bisher allerdings nur auf französisch, soweit ich weiß (ich habe den Film auf dem Rückflug von Canada gesehen, sonst wüsste ich vermutlich nichts davon) – ein wenig haben mir die Gedankeneinblendungen Palomas gefehlt, die im Film nicht so gut rüberkommen wie im Buch, aber generell fand ich die Geschichte sehr gut umgesetzt und ebenso wunderbar wie das Buch.
Wer französisch kann: unbedingt ansehen! Aber erst nach dem Lesen. ;)


Farbenzeit.

Dienstag, 13. Oktober 2009 - 14:35

Der Herbst ist da und mit ihm die Farben
azurblauer Himmel, grüngelbrote Blätter,
Wolkentupfer am Horizont
und alles leuchtet unter der Oktobersonne.


[12.10.2009]